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Pumps – Inbegriff der Weiblichkeit – zählen zu den elegantesten Schuhen. Auffälligstes Merkmal: der Absatz. Seine Höhe unterliegt der jeweilig vorherrschenden Mode. Früher bevorzugt von Damen zur eleganten Garderobe getragen, sind sie heutzutage durchaus mit Jeans kombinierbar. Galten sie in den 50-er Jahren als Ausdruck für Emanzipation der Frau, die plötzlich sexuell attraktiv, verrucht und selbstbewusst daherstöckelte, etablierten sie sich in den 60-ern als Businesskleidung. Gegenwärtig setzen sich sogar junge Mädchen mit hochhackigen Schuhen in Szene: Hohe Absätze sehen sexy aus, lassen die Beine schlanker erscheinen und sorgen – je nach Fähigkeit – für einen sinnlichen Gang. High Heels, Stilettos, Peeptoes oder Stöckelschuhe sind ein Hingucker: für Frauen und Männer gleichermaßen. Dabei ist der Pumps bereits seit dem 17. Jahrhundert bekannt. Allerdings war er zunächst nur dem zu kurz geratenen König Ludwig XIV von Frankreich vorbehalten, bevor er im Verlauf der französischen Revolution im 18. Jahrhunderts auch der weiblichen Aristokratie erlaubt war. Womit sich viele Höflinge ihr eigenes Grab schaufelten: Schuhe mit Absatz standen für Adel, Reichtum und Ausbeutung des Bürgers. Heutzutage ist die Straße mit ihren Fugen und Löchern Feind dieses Schuhwerkes. Und der Fuß selbst. Der Fuß mit der Zehendeformation Hallux valgus. Der Fuß mit Hallux rigidus, der Arthrose des Grundgelenkes der Großzehe. Ein hoher Preis für hohe Absätze.

Was ist Hallux valgus
Hallux valgus steht für die Schiefzehe, im Volksmund „Frostballen“ genannt. Sie zählt zu den häufigsten Großzehen-Fehlstellungen. Die erfolgt im Grundgelenk zum Fußaußenrand hin bei gleichzeitiger Drehung der Zehe nach innen. Zumeist trägt eine Abweichung des ersten Mittelfußknochens die Schuld daran. Zudem verlaufen die Sehnen nicht mehr zentral über das Gelenk zu den Zehen, wodurch sie diese in Schiefstellung ziehen. Häufig verbunden damit ist die Hervorstellung des Großzehenballens am Fußinnenrand, einhergehend mit oftmals schmerzhaften Entzündungen. Da die Großzehe auf die kleinen Zehen drückt, erfahren diese ebenfalls häufig Veränderungen. Hier spricht man von Hammer- und Krallenzehen-Fehlstellungen.

Ursachen
Erbliche Veranlagungen oder Spreizfuß sind weniger häufig Ursache für den Hallux valgus. Vielmehr haben Studien, die interkulturelle Vergleiche anstellten, ungeeignetes Schuhwerk als Wurzel allen Übels ausgemacht. Insbesondere Pumps nach westlicher Machart folgen keineswegs der Form der Fußsohle, sondern fördern zu enges Beieinanderliegen der Zehen. Maßgeblich ist der Absatz: je höher, desto größer der Druck im Vorfußbereich. Dadurch spreizt er, die Zehen werden in die Schuhspitze gepresst. Ist diese zu eng für Bewegungsraum der Zehen, werden diese in eine Fehlstellung gezwungen. Auch zu enge Schuhe sind einer Fehlbildung dienlich: Die Zehen werden aus ihrer angestammten Lage gedrängt, dauerhaft deformiert. Schreitet diese Schiefstellung voran, werden allmählich auch die anderen Zehen in Mitleidenschaft gezogen. Davon ausgenommen sind auch nicht junge Mädchen: Einer Veröffentlichung des deutschen Ärzteblattes von Februar 2005 zufolge förderten Reihenuntersuchungen an deutschen Schulen eine alarmierende Anzahl von Fehlformen zutage.

Was ist Hallux rigidus
Der Hallux valgus ist im weitesten Sinne der Wegbereiter für den Hallux rigidus, die Arthrose des Grundgelenkes der Großzehe. Diese abnutzungsbedingte Erkrankung führt zu schmerzhafter Bewegungseinschränkung und häufig zu Verdickung, rosendornartiger Spornbildung und Rötung des Großzehengrundgelenkes bis hin zu seiner Versteifung. Das schmerzhafte Abrollen ist zunehmend eingeschränkt, ebenso Gehbelastbarkeit und Beugefähigkeit der Großzehe. Dadurch ändert sich allmählich das Gangbild, das einem „Schonhinken“ gleicht. Treppensteigen und Bergaufgehen werden zur Qual.

Ursachen
Stoffwechselstörungen wie Gicht, ein angeborener schlechter Knorpel, Verletzungen, die zu Knorpelschäden führten, und der bereits erwähnte Hallux valgus werden für den Hallux rigidus als dessen Spätfolge verantwortlich gemacht. Diese Arthrose des Großzehengrundgelenks braucht indes viele Jahre, bis sie zu eingeschränkter Lebensqualität führt.

Vorbeugung
Problem erkannt, Problem gebannt: Weiß man um Ursachen wie Schuhe mit hohen Absätzen, sollte man Vorsicht walten lassen und öfter das Schuhwerk wechseln. Da Füße extrem anpassungsfähig sind, werden sie sich spontan auf unterschiedliche Schuhe einstellen. Ebenso auf Barfußlaufen: Die Füße werden es mit geraden Zehen und auch Mangel an Hühneraugen oder Hornhaut entlohnen. Und ebenso dankbar sein für Fußgymnastik, Bürstenmassagen, Fußbäder. Alltagsschuhe sollten deutlich niedrigere Absätze haben und Spielraum für die Zehen bieten. So können Schuhe mit hohen Absätzen – lediglich zu besonderen Anlässen getragen – den Füßen keinen Schaden zufügen.

Behandlung
Man unterscheidet zwischen konservativer Behandlung, die vom Orthopäden oder Hausarzt und in Eigeninitiative durchgeführt werden kann, und operativer, die ambulant oder stationär erfolgt. Zu ersterer zählen zu Hause praktizierte Zehengymnastik, regelmäßige Abspreizübungen der Großzehe – und das Barfußlaufen. Hinzu kommen geeignetes Schuhwerk wie maßgefertigtes orthopädisches oder den Mittelfußknochen stützende Einlagen für Konfektionsschuhe. Bei ausgeprägter Arthrose im Großzehengrundgelenk eignen sich Ballenrollen: Sie übernehmen das Abrollen des Fußes. Auch druckentlastende Schaumstoffpolster können Beschwerden, sofern sie sich noch im Anfangsstadium befinden, lindern helfen. Desgleichen die Hallux-valgus-Nachtschiene – ein Schaumstoff, der zwischen erste und zweite Zehe gelegt wird und das Fortschreiten der Fehlstellung eindämmt. Letzter Ausweg: die Operation. Mehr als 200 verschiedene Verfahren gibt es. Zu den häufigst angewandten zählt die Exostosenabmeißelung mit medialer Kapselraffung, bei der der Knochenwulst abgetragen wird. Sie eignet sich allerdings nur bei sehr geringer Ausprägung des Hallux valgus. Für schwerwiegendere ist die ambulant wie stationär durchführbare Operation nach Chevron oder Austin besser geeignet: Zusätzlich zur Knochenwulst-Abtragung wird eine Sehnenverlagerung vorgenommen, um die Funktionsfähigkeit des Vorfußes wieder herzustellen. Bei älteren Betroffenen mit stark ausgeprägter Großzehenfehlstellung sowie fortgeschrittener Zehengrundgelenks-Arthrose findet die OP nach Keller-Brandes Anwendung: Zusätzlich zur Abtragung des Grundgelenkes der Großzehe auf fast die Hälfte wird der Knochenvorsprung an der Innenseite des Mittelfußknochens abgemeißelt. Eine effektive, aber auch kosmetisch unliebsame Maßnahme aufgrund der Zehenverkürzung. Die Kosten übrigens werden bei medizinischer Indikation von den Krankenkassen übernommen.

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