posted by on Hallux valgus

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Da sehen wir mitleidsvoll in die Geschichtsbücher und finden es unglaublich schlimm, dass asiatischen Frauen die Füße verkrüppelt wurden. Im Kleinkindalter wurden sie gebrochen und von da an stramm eingebunden, damit sie nicht wachsen konnten. Eine Frau mit Lotusfüßen galt als attraktives Statussymbol, die Formgebung der Mädchenfüße war damals eine Zukunfts-Investition, denn die kurzen Schritte und die Unfähigkeit, weite Wege zu gehen, versprachen eine lukrative Heirat. Erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts regte sich Widerstand gegen diese Praxis. Man meint, mit dem offiziellen Verbot wäre diese Qual weltweit ausgestorben. Doch ist sie, in abgeschwächter Form fast weltweite Mode.

Schuhe mit hohen Absätzen und spitz zulaufendem Zehbereich sind überall in der westlichen Welt Zeichen von weiblicher Attraktivität. Die zierlichen Schritte und der katzenähnliche Gang mit der muskulären Betonung auf die Po-Region entsprechen dem Ideal, das schon beim Spiel mit der Barbiepuppe in die kleinen Mädchen aufgesogen wurde. Noch vor wenigen Jahrzehnten waren Schuhe für Mädchen üblicherweise mit Absätzen ausgestattet. Je größer die Schuhgröße, desto höher der Absatz. Heute findet man kaum noch Kinderschuhe, die das junge Skelett durch anhebende Absätze verformen. Ein schlanker Fuß gilt jedoch immer noch als lieblich. Die Zehen werden in schmalen Schuhen zusammengezwungen und verkrüppeln zu beispielsweise Hammerzehen.

Frauen, die es gelernt haben, auf High Heels zu laufen, haben die Blicke der Herren sicher, und den Hallux valgus oder sogenannten Frostballen. Dies ist eine schmerzhafte Verformung des Mittelfußknochens, der in Verbindung mit der großen Zehe steht. Ein Notprogramm der Natur, denn die unnatürliche Haltung in engen Schuhen mit erhöhtem Absatz bietet dem zu tragenden Gewicht nicht mehr genug Standfläche. Durch die Ballenformung wird die künstlich verkleinerte Standfläche erweitert. Dies hat zur Folge, dass zierlich geschnittene Schuhmodelle beim Einkauf immer häufiger stehen gelassen oder geändert werden müssen, denn der Ballen passt nicht hinein. Doch viel schlimmer sind die häufig auftretenden Entzündungen, mit denen der Körper signalisiert, dass hier etwas gar nicht in Ordnung ist.

Nicht wenige Frauen sehen, nach jahrzehntelangem Leiden, keinen anderen Ausweg, als sich den Mittelfußknochen mehrfach brechen zu lassen, um eine halbwegs natürliche Stellung zurück zu erlangen.
Schuhwerk mit genügend Raum für alle Zehen und ohne Absätze tragen zu können, muss sich neu erarbeitet werden. Je schneller und konsequenter man von High Heels auf beispielsweise Flip Flops umsteigt, desto intensiver sind die Schmerzen und Verschiebungen der Wirbelsäule. Ein sanftes Absenken der Absatzhöhe, häufiges Barfußlaufen und Massieren und Weichkneten der Füße, wann immer sich die Gelegenheit bietet, sind Möglichkeiten, dieser gemachten Entwicklung entgegen zu arbeiten. Was langsam antrainiert wurde, muss auch langsam wieder abtrainiert werden.

Der Fuß in seiner gottgegebenen Form ist die ideale Standform für unsere Körper. Das ist uraltes Wissen und wird zum Glück nicht nur wiederentdeckt, sondern inzwischen auch immer populärer und damit auch gesellschaftsfähig. Für den gut trainierten (oder idealerweise schon von Kindesbeinen natürlich belassenen) Barfußläufer gibt es neuerdings sogar Barfußschuhe. Sie geben jedem Zeh seinen Raum und verzichten auf jedwede naturentfremdende Unterfütterung der Sohle. Mit dieser „künstlichen Hornhaut“ kann man auch im Asphaltdschungel „barfuß“ laufen. Alle Füße der Welt wünschen sich so eine begeh(r)enswerte Mode.

Diesen Beitrag hat dieLinda geschrieben.

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