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Das Bild zeigt eine Deformation des Großzehengrundgelenks

Unter Hallux valgus (Schiefzehe) versteht man eine krankhafte Veränderung im Großzehengrundgelenk. Die lange Strecksehne der Großzehe verläuft statt direkt über das Zehengelenk seitlich daran vorbei. Dadurch geraten die Zehen in eine dauerhafte Schiefhaltung. Die Großzehe ist im Grundgelenk seitlich nach außen abgewinkelt und gleichzeitig nach innen gedreht. Diese häufigste aller Zehendeformationen tritt fast immer zusammen mit einem Spreizfuß auf und bereitet zunächst wenig Beschwerden. Wenn sich jedoch mit zunehmendem Alter die Fußfehlstellung verstärkt, verschlimmert sich auch der Hallux valgus.

Frauen sind von diesem Krankheitsbild etwa neun mal häufiger betroffen als Männer, was daran liegen mag, dass als Hauptverursacher das Tragen von falschem Schuhwerk gilt.
Zwar kann ein Hallux valgus auch erblich bedingt oder durch entzündliche Gelenkveränderungen und schlecht verheilte Knochenbrüche entstehen. Aber viel häufiger ist die Ursache tatsächlich im jahrelangen Tragen von Schuhen zu suchen, die durch ihre Form und Absatzhöhe die natürliche Anatomie des Fußes dauerhaft verändern. Die anatomisch richtige leicht gespreizte Zehenform wird im Laufe der Jahre bereits durch dauerndes Strümpfe tragen pathologisch verändert.

Hinzu kommt, dass bei Frauen oftmals eine Schwäche von Bändern und Bindegewebe vorkommt, wodurch eine Verformung des Fußgewölbes begünstigt wird. Schuhabsätze von über 4 Zentimetern Höhe führen zu einem starken Druck im Vorderfuß und die Zehen werden in der Schuhspitze eingeklemmt. Beides kann zur Entstehung von Spreizfüssen beitragen. Zu enge Schuhspitzen nehmen den Zehen den nötigen Bewegungsspielraum zur Seite und nach oben. So verharren sie in einer Fehlhaltung, die auf Dauer zu bleibenden Fehlstellungen führt. Auch zu kurze Schuhe bringen die Zehen aus der anatomisch richtigen Position. Folge davon können neben Hallux valgus auch die Entstehung von Krallen- und Hammerzehen sein.

Im Extremfall kann die Grundstellung der Großzehe um bis zu 90 Grad abweichen und es kann zu einer Überlagerung der zweiten und dritten Zehe durch die Großzehe kommen.
In solchen Fällen sind die Betroffenen nicht nur in der Wahl der Schuhe stark eingeschränkt, auch ein schmerzloses Laufen über längere Strecken ist kaum mehr möglich.
Als Folge können neben Gelenkverschleiß, Schwellungen und äußerlichen Entzündungen der Haut auch Schleimbeutelentzündungen im Fuß und chronische Schmerzzustände auftreten. Besonders alarmierend ist die rasche Zunahme von derartigen Fehlstellungen bereits bei Jugendlichen. Eine deutliche Schiefstellung der großen Zehen konnte schon bei vierzehnjährigen Mädchen nachgewiesen werden.

In Kulturregionen und Ländern, in denen die Bewohner gar keine Schuhe oder hauptsächlich Sandalen tragen, tritt der Hallux valgus nur selten auf. Deshalb wird als Vorbeugung empfohlen, so oft wie möglich barfuss zu laufen. Zu bevorzugen sind Schuhe mit niedrigen Absätzen und weichem Obermaterial, die über den Ballen nachgeben.
Auch Länge und Form des Schuhs sind wichtig, darum sollte man modisch spitz zulaufende Schuhe vermeiden. Die Zehen dürfen nicht vorne anstoßen und brauchen genügend Bewegungsfreiheit. Hochhackige Schuhe sollten nur ausnahmsweise und für kurze Zeit getragen werden. Ständig flache Schuhe zu tragen ist auch nicht empfehlenswert, das kann zu einer Überlastung der Achillessehne führen. Besser ist der Wechsel zwischen flachen Schuhen und solchen mit einem bis zu 4 Zentimeter hohen Keilabsatz.
Auch für Socken und Strümpfe gilt, dass die Zehen ausreichend Freiraum haben müssen.

Spezielle Fußgymnastik ist ebenfalls eine gute Vorbeugungsmaßnahme, wenn sie regelmäßig durchgeführt wird. Dabei soll durch langsames bewusstes Abrollen in den Zehenstand, Greifübungen mit den Zehen (z.B. Taschentuch aufheben) und Abspreizen der Großzehen die Beweglichkeit aller Zehen gefördert und die gesamte Stützmuskulatur des Fußgewölbes gekräftigt werden. Fußbäder, Bürsten- und Knetmassagen lockern die Bänder, Sehnen und Muskeln und regen die Durchblutung des Gewebes an.

Bei gesunden Füßen sind Einlagen und Fußbett unnötig. Sinnvoller ist es, die Fußmuskulatur zu erhalten und zu trainieren, damit sie den Alltagsanforderungen selbstständig gewachsen ist. Liegt dagegen ein Spreizfuß vor, können Einlagen den Vorfuß unterstützen. Spezielle Hallux valgus Schienen werden nachts getragen und halten die Großzehe in ihrer anatomisch korrekten Position.

All diese Maßnahmen sind nur vorbeugend oder bei Vorhandensein eines Hallux valgus im Anfangsstadium hilfreich. Ist die Zehenfehlstellung bereits stark ausgeprägt, kann damit zwar oftmals eine Verschlimmerung des Zustandes verhindert werden. Eine Rückbildung des Hallux valgus nur durch konservative Behandlung ist jedoch nicht möglich.
Hier ist eine Operation meist unumgänglich. Diese Entscheidung sollte man jedoch gründlich abwägen und erst nach genauer Rücksprache mit dem Arzt treffen. Oftmals bereitet der Hallux valgus nämlich keine oder nur sehr geringe Beschwerden, sodass die Symptome ausschließlich kosmetischer und ästhetischer Natur sind.

Zu Schmerzen kommt es meist an der Basis der großen Zehe. An dieser Stelle ist der Fuß am breitesten, der Schuh drückt am stärksten und hier presst sich der Kopf des Mittelfußknochens von innen gegen die Haut und verursacht eine ständige Haut- und Schleimbeutelreizung. In diesem Stadium liegt oft auch noch ein schmerzhafter Verschleiß im Zehengrundgelenk (Arthrose) vor. Für ein klares Gesamtbild sollte deshalb vor jedem operativen Eingriff eine genaue und umfassende Untersuchung aller eventuell vorhandenen Fußkrankheiten liegen. Eine unvollständige oder nur teilweise durchgeführte Korrektur erbringt oft schlechtere Ergebnisse und kann langfristig den Fuß sogar schädigen.

Es gibt rund 150 Arten der operativen Korrektur, von denen 10 im deutschsprachigen Raum üblich sind. Fast immer wird zunächst der erste Mittelfußknochen durchtrennt und der zehenwärts befindliche Anteil in die anatomisch richtige Position zum zweiten Mittelfußknochen hin verschoben. Beide Teile werden eingestaucht, bzw. mittels Verschraubung oder Verdrahtung fixiert. Die Großzehe wird mit kräftigen Nähten wieder gerade gerichtet. Beim Vorliegen einer beginnenden Arthrose kann das Grundgelenk „ausgeputzt“ werden, um die Beweglichkeit wiederherzustellen. Ist das Gelenk bereits stark in Mitleidenschaft gezogen, wird der beschädigte Anteil entfernt und das Gelenk versteift. In seltenen Fällen kommt auch ein künstliches Gelenk zum Einsatz. Nach dem Eingriff muss der operierte Fuß hochgelagert und gekühlt werden. Außerdem sind entzündungshemmende und schmerzstillende Mittel sowie eine Thromboseprophylaxe nötig. Für die ersten drei Monate nach der Operation sollte nachts eine Schiene getragen werden. Wurde die richtige Operationsmethode gewählt, ist die Langzeitprognose bei Hallux valgus gut, wenn es auch zu einer längeren Arbeits- und Sportunfähigkeit kommt. Bei notwendigen Knochenkorrekturen können bis zur vollständigen Genesung und Belastbarkeit durchaus drei bis sechs Monate vergehen. Ein Viertel aller Knochen des menschlichen Körpers befinden sich in den Füßen, sie sind extrem leistungs- und anpassungsfähig. Schon ein mehrmals täglich durchgeführter Schuhwechsel kann dazu beitragen, schmerzhafte Fehlstellungen und krankhafte Veränderungen zu verhüten.

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