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Mit Hallux valgus ist eine Fehlstellung der großen Zehe gemeint, die oft vererbt ist und sich durch falsches Schuhwerk mit zunehmendem Alter noch verstärkt.
Eine deutliche Fehlstellung der großen Zehe, bei der sich die große Zehe nach innen verschiebt und manchmal zusätzlich verdreht ist, zeigt sich oft erst in späteren Jahren. Dann treten meist auch starke Schmerzen auf und das normale, schmerzfreie Gehen wird wesentlich beeinträchtigt.

Auch bei mir ist es der Fall gewesen. Etwa im Alter ab 35 bemerkte ich, wie sich die große Zehe am rechten Fuß immer stärker nach innen verschob. Abgesehen von der Optik machte ich mir keine großen Gedanken um diese Fehlstellung, denn ich hatte zu der Zeit noch keine Beschwerden. Es gab nur eine Sache, die mich wirklich störte: Durch die Fehlstellung der Zehe verbreitete sich mein Fuß, denn der Ballen trat stärker heraus.
Infolgedessen konnte ich keine schmalen Schuhe und kaum noch höhere Schuhe tragen. Es hatte aber keine gravierende Bedeutung für mich, wenn aufgrund eines Bandscheibenvorfalls schon längere Zeit vorher war ich dazu übergegangen, flache und bequeme Schuhe zu tragen.

Nach einigen Jahren verstärkte sich die Fehlstellung jedoch – mir schien es quasi über Nacht. Plötzlich bekam ich heftige Schmerzen in den Knien, in der Hüfte und dem Fußgelenk. Auch die Zehen selbst taten weh. Ich hatte auch den Eindruck, dass der große Zeh nun krummer war als vorher.
Da die Schmerzen auch nach Wochen nicht besserten, suchte ich einen Orthopäden auf. Der warf nur einen kurzen Blick auf meine Füße und sagte dann klar und deutlich: operieren! Etwas irritiert meine Gegenfrage: Muss das wirklich sein? Nach Meinung des Orthopäden gab es keine Alternative. Der Arzt hatte einen sehr guten Ruf und ich kannte ihn schon einige Jahre. Von einer Fehleinschätzung ging ich niemals aus.
Also machte ich mich mit dem Gedanken vertraut, dass an einer Operation kein Weg vorbeiführen würde. Mein Arzt riet mir auch klar von Schienen und anderen äußerlichen Behandlungsmethoden ab, in die würden weder etwas an der Fehlstellung ändern noch langfristig das Problem beheben. Seiner Meinung nach seien sie nur rausgeworfenes Geld.
Von der Diagnose war ich natürlich nicht gerade erfreut und suchte mir im Internet verschiedene Informationen über den Hallux valgus zusammen. Erst nachdem eine Arbeitskollegin mir von ihrer schon lange zurückliegenden und gelungenen Operation berichtete, fasste ich Mut und erklärte mich zu einer Operation bereit.
Bei mir war die Fehlstellung noch nicht so extrem, dass die Zehen schon übereinander liegen. Wenn dies der Fall ist, können die Betroffenen oft kaum noch richtig laufen. Die Verschleißänderung an den Knochen und Zehengelenken würden unweigerlich zu stärkeren Schmerzen führen. Soweit wollte ich es nicht kommen lassen. Im darauffolgenden Jahr entschied ich mich zu dem Eingriff, da ich das Frühjahr abwarten wollte. Im Winter mit einem Gipsbein herumzulaufen, darauf war ich nicht erpicht.

Bei der Operation, die bei mir in einer orthopädischen Klinik durchgeführt wurde, wird die schräge Zehe begradig. Je nach Ausprägung des Hallux valgus gibt es unterschiedliche Operationsmethoden. Bei sehr leichten Fällen werden lediglich die Sehnen gekürzt, wodurch sich der Zeh automatisch in seine natürliche Stellung aufrichtet. Es ist ein relativ harmloser Eingriff, der heute sehr häufig vorgenommen wird.
Entscheidend für eine Operation war auch die Aussicht, bald wieder alle Arten von Schuhen tragen zu können. Die Verschleißänderung an den Knochen und Zehengelenken würden unweigerlich zu stärkeren Schmerzen führen. Der Gedanke, nicht mehr mit nur mit typischen Bequem-Schuhen durch die Welt zu laufen, stimmte mich positiv und steigerte meine Lebensfreude erheblich.
Bei meiner veränderten Fußstellung handelte es sich zwar auch um eine leichte Form des Hallux valgus, doch es reichte nicht aus, lediglich den Knochenvorsprung zu entfernen, sondern der Fußknochen muss gerade gestellt werden. Da die Knochenachse hierzu verändert wird, ist es notwendig, auch am Knochen Sägeschnitte vorzunehmen. Bald nach dem Eingriff konnte ich nach Hause und musste einen gipsartigen Verband tragen.
Insgesamt dauert die Heilung einiger Wochen, in denen man den Fuß nicht sehr stark belasten darf. Ungefähr sechs Wochen lang muss man einen speziellen Schuh tragen, mit dem das Laufen aber möglich ist.
Auch wenn dieser abnehmbare Kunststoff-Stiefel relativ viel Bewegungsfreiheit gibt, dauert die Heilung des Knochens gute 8 bis 10 Wochen. Danach kann man sein Fuß aber wieder voll gebrauchen und sich an modischen Schuhen erfreuen.

Im darauf folgenden Jahr ließ sich mehr in zweiten Fuß operieren. Auch dies gelang völlig problemlos.
Heute laufe ich wieder wunderbar in schicken Schuhen, trage aber trotzdem keine High Heels. Warum sollte man etwas heraufbeschwören, das einem so viel Kummer bereitet hat. Auch wenn sie gut gelungen ist, auf eine erneute Operation bin ich nicht besonders scharf.
Ich kann nur jeder Frau raten, selten hohe Absätze zu tragen, denn dies begünstigt solche Verformungen ungeheuer stark. Wer regelmäßig bequeme Schuhe trägt, beugt dem Hallux valgus vor und tut außerdem etwas für seinen Rücken. Auch mit Fußgymnastik, welche die Bänder kräftigt, kann man vorbeugen. Zu Schienen kann ich nicht viel sagen, da ich sie nicht ausprobiert habe, weil mein Arzt mir sofort davon abriet.